Projekt 1,1

„Alles begann mit einer Idee…“

Wie oft hört oder liest man diese Einleitung, wenn es um die Entwicklungsgeschichte erfolgreicher Start-Up Unternehmen oder die Biografie eines großen Erfinders geht. Ich möchte mir an dieser Stelle gar nicht erlauben, mich mit Unternehmensgründern oder großen Erfindern auf eine Stufe zu stellen; doch kein anderer Satz könnte das sogenannte „Projekt 1,1“ besser umschreiben.

Was ist „Projekt 1,1“?

„Projekt 1,1 ist der Versuch, meinen persönlichen ökologischen Fußabdruck auf ein kleinstmögliches Maß zu reduzieren.“

Jahr für Jahr rückt der sogenannte „World-Overshoot-Day“ näher Richtung Jahresmitte. Der „World-Overshoot-Day“ definiert den Tag im Verlauf eines Kalenderjahres, an dem die natürlichen Ressourcen, die unser Planet Erde in einem Jahr (durch fossile und nachwachsende Rohstoffe) reproduzieren kann, aufgebraucht sind. Ab diesem Datum lebt die Menschheit für den Rest des Jahres somit „auf Pump“, da mehr Rohstoffe verbraucht werden als entstehen.

Betrachtet man die Entwicklung alleine in den letzten vier Jahren, so wird deutlich, dass der „WOD“, gemessen am Konsumverhalten der gesamten Erdbevölkerung, stetig früher Eintritt:

  • 2015: 5. August
  • 2016: 5. August
  • 2017: 1. August
  • 2018: 29. Juli

Vergleicht man dieses Datum mit den Werten für Anfang der 1970er Jahre, dann ist auffällig, dass wir in den vergangenen 50 Jahren einen Prozess in Gang gebracht haben, der so nicht weitergehen kann. 1970 lag der „WOD“ noch am 29. Dezember. 1971 bereits am 20. Dezember und 1972 schon am 10 Dezember.

In meinem Geburtsjahr 1975 war es bereits der 30. November. (Q: overshootday.org)
Statistisch verbrauchte die Menschheit im Jahr 1975 damit die Ressourcen von 1,1 Erden.

Betrachtet man die Statistik für die Bevölkerung in Deutschland sieht es noch erschreckender aus. Deutschland hat den Erderschöpfungstag, wie er hierzulande genannt wird, im Jahr 2019 bereits am 2. Mai erreicht. Rechnerisch benötigen wir Deutschen dauerhaft 3 Planeten Erde um über die Runden zu kommen. Belastbare Statistiken für die 1970er Jahre sind für Deutschland scheinbar nicht zu finden.

„Deutschland hat den Erderschöpfungstag 2019 bereits am 2. Mai erreicht!“

Angeregt durch ein Buch von Sebastian Fitzek hatte ich mich vor einigen Monaten erstmals mit meinem eigenen ökologischen Fußabdruck beschäftigt, und mit erschrecken festgestellt, wie verheerend meine persönliche Bilanz ausfällt.

Rückschritt in die Steinzeit?

Der richtige Ansatz wäre ein radikales Umdenken unserer aktuellen Konsumgewohnheiten. Doch Kritiker und Skeptiker argumentieren gerne damit, das wir den Rückfall ins Mittelalter wagen, wenn wir vom verschwenderischen Kurs unserer Wohlstandsgesellschaft abrücken und Überlegungen anstellen, den ökonomischen (und ökologischen) Fußabdruck zu verringern. Fakt ist jedoch, dass die fossilen und nachwachsenden Rohstoffe global gesehen nicht ausreichen, um eine weiterhin stark wachsende Weltbevölkerung mit steigenden Konsumansprüchen zu versorgen. Doch was „droht“ uns, wenn wir versuchen, unseren Ressourcenverbrauch auf ein erträgliches Maß zu reduzieren, wie wir es beispielsweise Mitte oder Ende der 1970er Jahre hatten?

Denke ich an meine Kindheit zurück, dann war es eine schöne Zeit. Meine Eltern hatten kein Auto, noch nicht einmal einen Führerschein. Wir kamen trotzdem überall hin. Einkaufen ging meine Oma zu Fuß. Für größere Einkäufe gab es den Trolley. Das Fahrrad war das tägliche Hilfsmittel für „Reisen“ in die Stadt oder zum Besuch von Freunden. Ging es einmal weiter weg, mussten wir mit der Straßenbahn oder gar dem Zug fahren. Für besonders weite Reisen wurde der Intercity genutzt. Das war toll, denn man konnte während der Fahrt spielen oder lesen, Walkman hören oder schlafen. Oft war die Reise viel entspannter als heutzutage mit dem Auto in kilometerlangen Staus zu stehen.

„Angesichts der damals unverpackten Lebensmittel und damit nachlässigen Hygiene im Supermarkt hätten wir reihenweise erkranken müssen“

Eingekauft wurde fast wie heute – im Supermarkt. Nur hatten Obst und Gemüse keine Plastikverpackungen. Folgt man der heutigen Argumentation der Einschweiß- und Plastikbefürworter, hätten wir damals angesichts der nachlässigen Hygienemaßnahmen reihenweise erkranken müssen. Welch ein Glück, dass das nicht der Fall war. Okay, fremdsprachiges Obst und Gemüse wie Physalis, Pak Choi, Passionsfrucht oder Süßkartoffel gab es nicht. Kannten wir aber auch nicht – und wurden trotzdem satt. Stattdessen konnten wir uns im Herbst sogar freuen, dass es bald wieder Orangen geben wird. Die haben wir heute das ganze Jahr im Obstregal.

Mit anderen Worten: Ein Konsumverzicht ist natürlich mit Einschränkungen verbunden. Ob es aber tatsächlich auch zu einer Reduzierung der Lebensqualität führt ist reine Ansichtssache. Denn ein „Downgrade“ kann durchaus auch mit einer Steigerung der Lebens- und Ernährungsqualität einhergehen.

Kaum jemand wird verlangen und damit einverstanden sein, das wir beispielsweise Errungenschaften wie das Smartphone, das Auto oder den allseits beliebten Kaffee infrage stellen. Doch das muss auch nicht sein. In einigen Fällen kann man aber schon bei der Frage „wie“ jede Menge ausrichten.

Und jetzt?

Bei Projekt 1,1 möchte ich meinen Versuch dokumentieren, meinen persönlichen Ressourcenverbrauch auf ein „sparsames und umweltverträgliches Maß“ – wie ich es selber definieren möchte – zu reduzieren. 1,1 steht dabei für das Verbrauchsmaß, welches in meinem Geburtsjahr 1975 zu Buche stand.

Der totale und unmittelbare Verzicht wäre sicherlich die schlechteste Methode dieses ambitionierte Ziel zu erreichen. Schnell würde die Motivation verlorengehen. Das Ziel würde als unerreichbar angesehen und schlimmstenfalls sogar ganz über Bord geworfen. Doch wie heißt es so schön: „Selbst die längste Reise beginnt mit dem ersten Schritt“.

„Der totale unmittelbare Verzicht wäre die schlechteste Methode“

In den folgenden Beiträgen werde ich Anregungen und Ideen aufzeigen und dokumentieren, wie ich Schritt für Schritt die Einsparung von Ressourcen umsetze. Ich möchte damit keinesfalls belehren – vielmehr geht es mir um das Aufzeigen von Ideen und Möglichkeiten, was ein jeder von uns tun kann, um seine eigene Umweltbilanz zu verbessern.

Also, lasst uns anfangen etwas zu verändern! Machst Du auch mit?

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