Michaela Kastel: So dunkel der Wald

Buchrezension

„So dunkel der Wald“ wurde 2018 mit dem Viktor Crime Award ausgezeichnet. Einem Kritikerpreis, der erstmals 2018 auf dem internationalen Krimifestival „Mord am Hellweg“ verliehen wurde und von niemand anderem als Sebastian Fitzek gestiftet ist.

Der Preis zeichnet eine Zitat*: „neue Stimme der Thriller- und Kriminalliteratur“ aus, er ist jedoch nicht zwangsweise ein Preis für Debütromane. So soll die Auszeichnung mehr auf eher noch unbekannte Autorinnen und Autoren aufmerksam machen, die an der Schwelle zu zukünftig größerer Beachtung stehen.

So wird der Preis künftig alle zwei Jahre auf dem Literaturfestival verliehen. Namensgeber ist übrigens der Protagonist des Romans „Die Therapie“, Viktor Larenz – dem Roman von Sebastian Fitzek, dem er seinen schriftstellerischen Durchbruch zu verdanken hat. Nähere Informationen hierzu findet man auf www.mordamhellweg.de .

Die Story

Irgendwo, tief in der schweizerischen Wildnis, lebt ein Mann der mehrere Kinder in seiner Gewalt hat und diese in einem alten, heruntergekommenen Haus gefangen hält. Mehrere Kinder haben die Pein bereits mit ihrem Leben bezahlt und sind an einem Felsen verscharrt worden. Eines Tages sieht Ronja, die älteste und mittlerweile Volljährige der fünf Kinder, eine Möglichkeit zur Flucht aus den Fängen des Mannes – doch der Plan misslingt. Doch als sich eines Nachts das Blatt wendet scheint die neu gewonnene Freiheit plötzlich fremd und eine Welt voller Angst und Verfolgung zu sein. Statt der Flucht von diesem unbarmherigen Ort setzt sich ein Karussell von Verfolgungswahn und Verlustängsten in Gang…

Mein Eindruck

Ich war sehr gespannt auf diesen Thriller, der laut Verlagswebseite eine neue „Klangfarbe“ des Thrillergenres verspricht. Das Buch hat in der Tat einen sehr bedrückenden Charakter, gibt die Situation der Kinder und Jugendlichen, die sich in der Gewalt des Mannes befinden, auf eindrucksvolle Art wieder.

Insbesondere im ersten Teil des Buches wird durch die düsteren und teils sehr abstrakt geschilderten Szenen eine sehr beklemmende und angsteinflössende Stimmung erzeugt. Der Autorin gelingt es immer wieder, durch ihren „düster poetisch“ wirkenden Schreibstil eine belastende, teils gar beängstigende Atmosphäre beim Leser zu erzeugen. Dies setzt sie auch dann fort, nachdem der Auslöser allen Übels beseitigt ist und die Freiheit von Ronja und den anderen Kindern zum Greifen nah scheint.

Mich hat überrascht, dass dieses Buch entgegen anderen Krimis und Thrillern nahezu ohne Kriminalisten auskommt. Die Ermittler spielen im Prinzip nur eine Nebenrolle. Dieser Umstand bringt es leider aber auch mit sich, dass das Buch im Mittelteil leider etwas in die Länge gezogen wirkt. Die Handlungen um Ronja, Jannik und die anderen Kinder scheinen sich im Kreis zu drehen, mehrfach zu wiederholen. Dies gibt die eintönige und örtlich eingeschränkte Situation der Kinder gut wieder, wirkt auf den Leser jedoch etwas „einschläfernd“, da der mittlere Teil des Buchs nur wenige Spannungsspitzen bereithält.

Erwartungsgemäß spitzt sich die Situation dann zum Ende des Buchs zu. Gegen Ende ist mir die Auflösung dann jedoch etwas zu schmal geraten und es bleiben einige Fragen um Ronja und die anderen Kinder, die sich so mancher Leser stellen wird, unbeantwortet.

Fazit

„So dunkel der Wald“ ist ein Thriller der etwas anderen Art. Er bietet tiefe Einblicke in das verletzte Seelenleben junger Menschen. Ob man das Buch mag, wird ein jeder beim Lesen der ersten Seiten schnell beurteilen können.

Ich selber war im Laufe des Buches etwas hin- und hergerissen. Insgesamt hätte das Buch an Spannung und Dramatik erstklassig werden können, hätte die Autorin zum Ende der Kapitel auf spannungsgeladene „Cliffhanger“ und Plottwists zurückgegriffen. Diese bleiben bei dem Buch jedoch weitestgehend aus. In einzelnen Abschnitten bot mir die Story zu wenig Tiefgang, die Handlungen blieben stets oberflächlich und das Ende des Buches lässt einiges an Fragen offen und ungeklärt.

Der sehr poetische und anspruchsvolle Schreibstil der Autorin macht jedoch einiges wett, sodass ich das Buch durchaus gerne gelesen habe. Insgesamt vergebe ich jedoch mit 3,5 nur eine durchschnittliche Wertung.

Die Autorin hat sicherlich Potential, das bei diesem Buch meines Erachtens jedoch hinter den Erwartungen an einen Buchpreisträger zurückgeblieben ist.

Bewertet mit 3,5/5 Sternen

Ebenfalls rezensiert auf: wasliestdu.de / lovelybooks.de

* Zitat: Webseite Mord am Hellweg – Viktor Crime Award, 3.Absatz

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