Christoph Gottwald: Melatenblond

Buchrezension

Ich war überrascht! Von diesem 384-Seiten starken Wälzer, der sich in der Nische der regionalen Literatur im Buchgeschäft da so unscheinbar präsentierte. Normalerweise sind die Heftchen von Lokalkrimis & Co. ja ein wenig schlanker auf den Rippen Buchrücken. Und die Empfehlung einer Verkäuferin, die ihre durchaus positive Meinung zu diesem Buch auf einem altweißen Papierstreifen, der sorgfältig um den Einband eines Leseexemplars gewickelt war, kundgetan hatte, tat ihr Übriges dazu. Doch Vorsicht ist geboten, denn schließlich muss ja verkauft werden. Also Klappentext studiert und das erste Kapitel angelesen… – gekauft!

Christoph Gottwald ist immerhin kein unbeschriebenes Blatt, veröffentlichte er doch im Jahre 1984 seinen ersten Kriminalroman Tödlicher Klüngel und gilt damit als „Erfinder des Köln-Krimis“.

Die Story

Nach 25 Jahren kehrt Manni Thielen, der damals nach einem Doppelmord an zwei Kölner Gangsterbossen aus der Stadt fliehen musste, nach Köln zurück um seine Tochter Marie ausfindig zu machen. Der mittlerweile körperlich stark geschundene Manni hat eine lange Odyssee durch Polen und Berlin hinter sich, doch im heimischen Köln ereilt ihn und seine Tochter erneut das Schicksal und eine atemberaubende Suche beginnt…

„Manni Thielen ist zurück… und erneut schlägt das Schicksal gewaltig zu“

Mein Eindruck

Einleitung [Achtung, Spoiler!]

Der Anfang des Buchs hatte mich bereits gefesselt, denn zu Beginn taucht der Leser direkt in spannende Vorfälle und skurrile Situationen in der Berliner Hauptstadt ein, die die sofortige Lust aufs Weiterlesen ausmachen. Hier tritt auch ein Mann mit seltsamen Angewohnheiten direkt ins Rampenlicht. Ein Pole namens Karol Stanjek, der sich des Nachts in der Berliner U-Bahn herumtreibt und auch sonst komische Angewohnheiten pflegt.

Der Mann, der auf mich zunächst den Eindruck eines verwirrten Rentners mit seltsamen Hobbys machte, entpuppt sich nach und nach als der Protagonist des Romans. Und mit zunehmender Seitenzahl, die mehr und mehr die Geschichte des Polen Karol ans Tageslicht bringen, wächst beim Leser die Sympathie und das Verständnis für diesen Mann, der sich als der vor fünfundzwanzig Jahren untergetauchte Manni Thielen entpuppt.

Durch einen schicksalhaften Zufall muss Manni Thielen aus Berlin verschwinden und entscheidet sich, nach einem Vierteljahrhundert nach Köln zurückzukehren und nach seiner Tochter zu suchen.

Hier beginnt die Geschichte eigentlich erst richtig – und was mir hier auch klar wurde: „Melatenblond“ schließt als Fortsetzung an den 1994 erschienenen Roman „Marie,Marie“ an, der mittlerweile jedoch nur noch als antiquarisches Buch zu haben ist.

Plot und Spannung

Ob meine Assoziation im ersten Drittel des Buchs eine andere gewesen wäre, hätte ich den Roman „Marie,Marie“ gekannt, weiß ich nicht. Jedenfalls gefiel mir dies Situation, mich erst Stück für Stück mit dem Charakter des Protagonisten anzufreunden und meine Sympathie für die Handlungen und den Lebenslauf des Karol Stanjek alias Manni Thielen aufzubauen, so sehr gut.

Der Autor hat dabei immer wieder auf Rückblicke in die Vergangenheit der Hauptdarsteller gesetzt, die informativ, erklärend, jedoch zu keiner Zeit langweilig wirken.

Kritik:

Etwas zufällig und stark konstruiert wirken dann im weiteren Verlauf der Geschichte die Zeitpunkte von Manni Thielens Rückkehr und den Vorfällen um seine Tochter. Zwei inhaltlich voneinander getrennte Vorfälle, die nach 25 Jahren zufällig zur gleichen Zeit passieren?

Des Weiteren fand ich die Handlungsstrategie des Kommissars doch etwas seltsam. Unterschlagene Indizien, dazu dann einen gesuchten Straftäter als Undercover-Ermittler einzuschleusen? Zwei Knackpunkte die für leichte Abstriche sorgen.

Schreibstil und besondere Szenen

Der Schreibstil des Autors hat mich jedoch auf voller Länge überzeugt. Dialoge wie aus dem Leben gegriffen, dazu in den richtigen Situationen eine leicht vulgäre, jedoch nie unter die Gürtellinie geratene Schreibweise, haben mich stets gut unterhalten und für den ein oder anderen Lacher gesorgt.

Gegen Ende des Buchs wird es dann richtig dramatisch. Die Auflösung erscheint schlüssig und mit einzelnen kleinen Plottwists wird die Spannung auf den Höhepunkt getrieben.

Besonders berührt haben mich (als Hundehalter) die Szenen um Walter und Walter mit seiner Walther (Mensch, Hund und eine Pistole). Neben all der Aufregung für mich die traurigsten und berührendsten Kapitel des Romans.

Fazit

Ein sehr solider Krimi, der Spaß beim Lesen bereitet, da der Kölner Autor einen kessen und interessanten Schreibstil an den Tag legt. Ein Buch, spannend, vielleicht jedoch mit einer Portion zu wenig an unerwarteten Wendungen und in einzelnen Punkten etwas fragwürdigem Handeln des Kommissars.

Dennoch vergebe ich eine klare Leseempfehlung. Wer Köln und Krimis mag, ist hier sehr gut beraten. Aufgrund der kleinen Abstriche vergebe ich jedoch nicht die Höchstwertung.

Bewertet mit 4/5 Sternen.

[Werbung] Christoph Gottwald, Melatenblond, 384 Seiten Taschenbuch, ISBN 978-3-7408-0447-3, Emons-Verlag

Buchcover © Emons-Verlag

Ebenfalls rezensiert auf: wasliestdu.de / lovelybooks.de

[Kaufexemplar]

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