Rezensionen – Alles Werbung oder was?

Auch als Buchrezensent muss man heutzutage die Augen offen halten, denn schnell kann das Hobby – entstanden aus dem eigenen Hobby, dem Lesen – einen Blog mit Buchrezensionen zu erstellen, zur juristischen Stolperfalle werden.

Das Regelwerk dazu ist recht kompliziert, und wer nicht selber Jurist ist verliert schnell den Überblick über die Regeln was geht – und was unter Umständen eine Abmahnung zur Folge hat. Ich selber bin auch kein Jurist, gebe mit diesem Beitrag insofern nur meine persönliche Meinung wieder und erläutere, wie ich eine Kennzeichnung für meine Leser auf SeitenZeiten.Blog handhabe.

In den letzten Jahren haben insbesondere die sogenannten Influencer und ihre Kanäle auf Instagram, YouTube und Facebook Schlagzeilen gemacht, da diese Personen häufig mit ihren Beiträgen und Filmen spezielle Werbung für Produkte machen, die im ersten Moment nicht eindeutig als Werbung erkennbar ist. Es folgten massive Abmahnwellen, denn mit Abmahnungen wird nicht nur rechtliches Fehlverhalten von Bloggern und anderen SocialMedia-Betreibern gestraft, sondern auf Seite der Juristen natürlich auch Geld verdient.

Grund genug, sich etwas intensiver mit der Frage zu beschäftigen, was als Werbung gekennzeichnet werden muss/soll, und was nicht. Grundsätzlich ist es logisch, dass Beiträge und Posts, für die der Herausgeber eine finanzielle (oder materielle) Vergütung erhalten hat, als Werbung anzusehen sind. Wird jedoch keine Vergütung gezahlt und ein Produkt (da zähle ich nun auch mal ein bestimmtes Buch oder eine bestimmte Dienstleistung dazu) unentgeltlich und unter Umständen sogar ohne Kenntnis des Anbieters/Urhebers in einem Artikel besprochen, so befindet man sich schnell in einer rechtlichen Grauzone, ob ein Beitrag als Werbung angesehen werden muss oder nicht.

Über die allgemein gültigen Regelungen hat die Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten im November 2018 einen Leitfaden zur Werbekennzeichnung bei Social-Media-Angeboten veröffentlicht.

Der Leitfaden stellt relativ deutlich klar:

  • Dort, wo Geld- oder Material (also auch ein kostenloses Buch als Rezensionsexemplar) vom Anbieter/Urheber zum Blogger geflossen ist, ist eine Rezension als „Werbung“ zu kennzeichnen.
  • Kaufe ich aus Eigeninteresse ein Buch im Handel und verfasse eine Buchrezension stellt dies i.d.R. keine Werbung dar und muss auch nicht als solche gekennzeichnet werden.

Ganz so einfach ist es in der Praxis dann jedoch doch nicht. Wer beispielsweise Affiliate-Links in seine Rezensionen einbaut macht diese unter Umständen zur Werbung, selbst wenn der rezensierte Artikel zuvor gekauft worden ist. Wer es genauer wissen möchte, kann sich im oben verlinkten Leitfaden näher informieren.

Handhabung auf SeitenZeiten

Die meisten der Bücher, die ich auf meinem Blog rezensiere, sind von mir selbst ausgewählt und gekauft oder ich habe diese über Tauschplattformen kostengünstig von Gebraucht erhalten. Dennoch kommt es natürlich hin und wieder vor, dass ich kostenlose Rezensionsexemplare vom Verlag oder einem Autor erhalten habe.

Um diesbezüglich eine eindeutige Kennzeichnung in meinen Beiträgen zu gewährleisten und Missverständnissen vorzubeugen sind die Rezensionsbeiträge folgendermaßen beschriftet:

Selbstkauf

  • Von mir neu oder gebraucht gekaufte Bücher werden nicht als Werbung gekennzeichnet.
  • Unmittelbar vor den Produktinformationen am Ende des Beitrags befindet sich der Hinweis [Werbung]
  • Am Ende des Beitrags befindet sich der Hinweis [Kaufexemplar]

Getauschtes

  • Bücher die ich gegen geringe Gebühr getauscht habe (oder aus kostenlosen Bücherschränken entnommen habe) werden unter der Überschrift mit dem Hinweis [Anzeige] gekennzeichnet.
  • Unmittelbar vor den Produktinformationen am Ende des Beitrags befindet sich der Hinweis [Werbung]
  • Am Ende des Beitrags befindet sich der Hinweis [Tauschexemplar]

Rezensionsexemplare

  • Bücher die ich kostenlos als Rezensionsexemplar erhalten habe werden unter der Überschrift mit dem Hinweis [Werbung] gekennzeichnet.
  • Nach der Einleitung befindet sich ein Standardtext. Dort bedanke ich mich beim Anbieter für das kostenlose Rezensionsexemplar.
  • Unmittelbar vor den Produktinformationen am Ende des Beitrags befindet sich der Hinweis [Werbung]
  • Am Ende des Beitrags befindet sich der Hinweis [Kostenloses Rezensionsexemplar]

Werbung oder keine Werbung?

Soweit die Handhabung zur Kennzeichnung. Doch ist eine (Buch-) Rezension überhaupt Werbung in eigentlichem Sinne? Auch bei den folgenden Zeilen gilt: Es handelt sich lediglich um meine Meinung, nicht um Rechtsprechung!

Ich habe lange Zeit überlegt, ob ich diesen Blog inklusive Affiliate-Links betreibe und einen Hauptaugenmerk auf kostenlose Rezensionsexemplare lege. Ich habe mich letztlich dagegen entschieden. Denn das Einbinden von Affiliate-Links hätte zur Konsequenz, dass das rezensierte Buch mitunter besser bewertet würde, um die Verkaufswahrscheinlichkeit zu erhöhen. Kostenlose Rezensionsexemplare Bergen zudem die „Gefahr“, das Buch besser zu bewerten als man es als Leser empfunden hat. Denn zum einen möchte man denjenigen, der das Buch kostenlos zur Verfügung gestellt hat nicht mit einer schlechten Bewertung enttäuschen. Zum anderen möchte man später vielleicht nochmal ein weiteres Buch desselben Anbieters rezensieren. Eine gute Rezension erhöht da die Chancen, ein weiteres Rezensionsexemplar zu erhalten.

Beide oben genannte Beispiele zeigen, wie eine Rezension zur Werbung werden kann. Die Meinung zum Buch erfolgt dann nicht mehr neutral, sondern fällt gegenüber dem subjektiven Eindruck des Lesers ggfs. besser aus, um daraus persönliche Vorteile zu ziehen.

Ich habe mich bewusst für den anderen Weg entschieden. Denn für mich steht das Lesevergnügen im Vordergrund und daraus resultierend der Gedanke, meine persönliche Meinung (denn um nichts Anderes geht es ja im Kern bei einer Rezension) mit dem Verfassen einer Rezension kund zu tun. Häufig rezensiere ich sehr kritisch. Meine Wertung fällt oft unter dem Durchschnitt anderer Rezensenten aus. Eine Bewertung für ein Werk entspricht jedoch meiner tatsächlichen Meinung, unbeeinflusst von Faktoren wie Affiliates, Gratisproben oder Gratis-Exemplaren.

Titelfoto von geralt/Pixabay.com

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