Mick Schulz: MS Mord

Buchrezension

Es ist erst ein paar Wochen her, da unterhielt ich mich mit meiner Frau über die Schiffreisen auf den Hurtigruten, den beliebten und mittlerweile touristisch erschlossenen Kreuzfahrten durch die Fjorde Norwegens.

Vielleicht fiel meine Aufmerksamkeit beim letzten Besuch der Buchhandlung daher auf den Kriminalroman von Mick Schulz. Ein kurzes Anlesen des Prologs und der humoristisch, skurril anmutende Klappentext reichte aus um eine Kaufentscheidung zu treffen.

Die Story

[Klappentext] Das Kreuzfahrtschiff MS Mythos ist auf dem Weg von Kiel nach Norwegen – die unbewältigte Vergangenheit der Passagiere im Gepäck. An Bord befinden sich der Verleger Holk Sonntag, der glaubt, schuld am Tod seiner Tochter zu sein, Guntram Fellner, ehemaliger Soldat der Wehrmacht, der ein finsteres Geheimnis hat, und Rentner Jürgen Wörner, der sicher ist, in einem der Passagiere seinen Stasi-Peiniger wiedererkannt zu haben. Margo Sebald will sich nur erholen. Doch als der junge Joan von der Service Crew plötzlich verschwindet, heftet sie sich an seine Spuren. Die Lage an Bord spitzt sich zu…

Mein Eindruck

Schon der Klappentext ließ unweigerlich Erinnerungen an den Agatha Christie Klassiker „Tod auf dem Nil“ von 1977 in mir aufkommen. Ich erwartete eine Geschichte voller Spannung – aber auch Humor und Komik, denn die Protagonisten boten laut Klappentext jede Menge Potential dazu. Aber erstens kommt es anders – und zweitens als man denkt!

Mick Schulz hat in MS Mord einen interessanten Schreibstil gewählt, der mir bislang in dieser Form noch nicht begegnet ist. Die Protagonisten werden in den jeweiligen Kapiteln chronologisch behandelt. So beginnt der Leser jedes Kapitel mit dem Handeln von Margo, der heimlichen Hauptdarstellerin, und endet bei Jürgen und seiner Frau Jutta. In jedem Kapitel werden dann, neben der Geschehnisse an Bord, Rückblicke in die Vergangenheit der Protagonisten geworfen und die Geschichte der Hauptdarsteller aufgearbeitet.

Diese Form eines Romans fand ich sehr interessant und machten das Buch sehr kurzweilig, da ein künstliches „In-die-Länge-ziehen“, wie es aus vielen anderen Büchern bekannt ist, bei MS Mord nicht vorkommt. Zudem sind die Charaktere sehr gut gewählt und wirken authentisch. Die Passagiere und ihre Geschichten wirken wie aus dem Leben gegriffen. Hier gibt es sie zu lesen, die üblichen Alltagsprobleme: Alkohol, Eifersucht, Altersschwäche oder fehlendes Selbstwertgefühl.

Der Leser neigt irgendwann dazu, aus den vier Hauptfiguren seinen Lieblingscharakter auszuwählen. In meinem Fall war es die Geschichte des Holk Sonntag – warum wird hier nicht verraten, da ich nicht zu viel Spoilern möchte!

„Viel Roman, nur mäßig Krimi“

Kritik: Der Roman hat meines Erachtens jedoch auch seine Schwächen. Die Geschichte hält meiner Meinung nach zu viel Roman und zu wenig Krimi vor. Lediglich die letzten drei Kapitel bieten Kriminalcharakter. Zu spät, dass das Buch dem Genre Krimi gerecht werden könnte.

Zudem habe ich eine Verquickung der Handlungen der Protagonisten erwartet, die jedoch ausblieb. Insofern hat der Autor hier eher vier parallel laufende Geschichten zu einem Buch kombiniert. Um das Buch letztlich zu einer „geschlossenen Geschichte“ werden zu lassen wäre eine Verstrickung der vier Hauptcharaktere wünschenswert gewesen.

Etwas mehr Witz und Humor hätte dem Roman sicherlich gut getan, das Buch frischer wirken lassen. Herzlich gelacht habe ich bei den teils etwas sarkastischen Phantasien des Holk Sonntag, wie sie in Kapitel 4 (Seite 42 / „Nebeljoggen“) oder in Kapitel 5 (Seite 51 / Mr. Bean) vorkamen. Die anderen männlichen Protagonisten kamen teilweise etwas zu ernst – gar verbittert herüber.

Fazit

MS Mord ist ein durchaus unterhaltsamer und interessanter Roman. Wer jedoch einen klassischen Krimi erwartet ist hier falsch. Die Kombination der aktuellen Geschehnisse an Bord der MS Mythos und den Rückblicken in die Vergangenheit der Charaktere macht jedoch die ständige Lust aufs Weiterlesen aus.

MS Mord hat mich gut unterhalten, auch wenn der Spannungsbogen erst zum Ende des Buches Anstieg und meines Erachtens nicht vollständig ausgereizt wurde. Das Ende war etwas abrupt.

Bewertet mit 3,5/5 Sternen.

[Werbung] Mick Schulz, MS Mord, 284 Seiten Taschenbuch broschiert, ISBN 978-3-8392-2237-9, Gmeiner Verlag

Buchcover © Gmeiner Verlag / Titelfoto von pixabay.com

Ebenfalls rezensiert auf: wasliestdu.de / lovelybooks.de

[Kaufexemplar]

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