Christian Feyerabend: Garten ist Krieg

Das „Un-Buch“ des Jahres 2018

Hin und wieder kommt es vor, dass ich ein Buch kaufe in dem Glauben, ich hätte einen interessanten Schmöker gefunden – das Buch jedoch bereits nach kurzer Zeit wieder zur Seite lege, da es meinem geforderten Unterhaltungswert nicht entspricht oder ich den Schreibstil des Autors zu anstrengend empfinde.

Bei Feyerabends Buch „Garten ist Krieg“ war es etwas anders. Auf das Buch aufmerksam wurde ich durch einen Radiobeitrag von WDR2, in dem Rezensent Dennis Scheck das Werk als gute Unterhaltungslektüre anpreiste und zusätzlich mit dem Prädikat „extrem lustig geschrieben“ versah. Da ich seit einigen Jahren zum Gartenfreund geworden bin und neben ein paar Gemüsehochbeeten und Blumenkübeln mir auch Gedanken um das Wohl von Wildbienen und Hummeln mache stand für mich außer Frage, das Buch zu kaufen. Von humoristischen Vergleichen war die Rede. Zum Beispiel vom Löwenzahnsamen, der wie Fallschirmtrupps die Gärten der Nachbarschaft invasiert. Ein so nettes und lustiges Buch müsse ich mir zu Gemüte führen – dachte ich – und kaufte.

Das Buch

Feyerabend findet Kapitel für Kapitel einen Weg, unliebsame Unkräuter, Schädlinge oder Gewächse in seinem Garten zu eliminieren. Er lässt es sich dabei nicht nehmen, jedes Kraut und jedes Insekt einzeln zu begutachten. Über die Wuchsgewohnheiten und die Eigenschaften des Feindes in seinem Beet zu referieren. So schlimm und extrem die Ausbreitung der unbeliebten Pflanze auch ist – Feyerabend hat für alles eine Lösung. Und die heißt meistens Roundup, Glyphosat & Co.

Mein Eindruck

In der heutigen Zeit, in der mehr denn je über die Gefahren und Nachteile von Unkrautvernichtern, Herbiziden und Ackergiften diskutiert wird und die tonnenweise Verwendung in Landwirtschaft und Industrie bedenkliche Ausmaße erreicht hat, ist es mehr als fraglich, solch ein Buch zu verfassen und zu vermarkten.

Feyerabend hat für jedes Problem die Lösung parat. Und die heißt meistens Roundup, Giftspritze und Co. Das Wirkungsspektrum zahlreicher Umweltgifte wird dabei durch die teilweise humoristische Schreibweise des Autors gnadenlos verharmlost. Der Gartenfreund, der hier Hilfestellung gegen Giersch, Löwenzahn und andere „Unkräuter“ im Garten sucht, wird zwangsläufig vor das Verkaufsregal der Chemiekonzerne geführt, die derzeit massenhafte Gegenwehr aus der Bevölkerung erfahren. Denn während der Natur- und Gartenfreund gegen den Einsatz von Glyphosat und Neonicotinoiden mobil macht, scheint Feyerabend ein Werbetreibender für eben diese Konzerne zu sein, da das Buch teilweise einem Werbeprospekt ähnelt. So sehr aufgesetzt empfand ich die immerwährenden Jubelarien auf chemische Mittelchen aus dem Bau- und Gartenmarkt.

Mein Fazit

Ein Buch, das garnicht geht. Ich war bereits nach dem ersten Teil so enttäuscht und genervt, das ich das Buch nach dem Abschnitt der Unkräuter zur Seite legte und auch nicht mehr weiter las.

Ein Buch braucht eine Message, ganz gleich ob es sich um ein Sachbuch oder einen Roman handelt. Bei Erstem ist die Botschaft des Buches jedoch umso wichtiger. Und wenn Feyerabend die Botschaft verbreiten möchte, dass der gepflegte deutsche Garten nur unter Mithilfe von chemischen Mitteln dauerhaft gepflegt werden kann, während Wildbienen, Singvögel und Co. in deutschen Landen derzeit ums Überleben kämpfen, habe ich für diesen Autor und dieses Buch keinerlei Verständnis.

Es war im Übrigen das allererste Mal, das ich mich geradezu darüber geärgert habe, die 15 € für einen Fehlkauf investiert zu haben. Nicht des Geldes wegen, sondern wegen dem Umstand, einen solch fatalen, hanebüchenen Humbug mit meinem Kauf unterstützt zu haben.

Leider gibt es in den zahlreichen Rezensionsplattformen nicht die Möglichkeit null Sterne zu vergeben. Die schlechteste Wertung beginnt in der Regel mit einem Stern. Doch selbst den ist dieses Buch m.E. nicht wert.

Daher meine Kaufempfehlung: Investiere die 15 € lieber in eine schöne Bienenweide für Balkon oder Garten und lass die Finger von diesem Buch. Die Natur wird es Dir danken.

[Werbung] Christian Feyerabend, Garten ist Krieg, 208 Seiten broschiert, ISBN 978-3-492-06123-0, Piper Verlag

Buchcover © Piper Verlag, Titelfoto von pixabay.com

[Kaufexemplar]

1 Comment

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s