Konsumdiarrhoe

Es musste sein. Einer Abmachung mit meinem pubertierenden Sohn zufolge trat ich heute den Weg ins Shopping-Outlet-Center ins niederländische Roermond an. Nachdem er vor einigen Monaten schon mal mit einem Schulkollegen dort war schwärmte er mir ständig etwas von den Outlet Stores von Hugo, Calvin, Jack & Co. vor.

Kopfschüttelnd hatte ich ihm schon des Öfteren versucht zu erklären, dass das nicht meine Welt ist und es auch keinen noch so großen Funken geben könnte, der mein Interesse für derartige Konsumtempel zu entzünden vermag.

Einzig und allein der Umstand, das ich in Erfahrung bringen wollte, ob seine Erzählungen über sündhaft teure T-Shirts und andere Klamotten der Wahrheit entsprechen, verleitete mich dazu, meinen Sohn bei der heutigen Shoppingtour ein Stück zu begleiten.

Schon was uns auf dem Parkplatz erwartete ließ nichts Gutes verheißen. Belegte Parkplätze so weit das Auge reichte, gefolgt von einem mehrstöckigen Parkhaus, in dessen Einfahrt, die wie das Maul eines gefräßigen Raubtieres anmutete, ein Fahrzeug nach dem anderen verschwand. Schon bei der Einfahrt regte ich mich auf, dass zusätzlich für Kunden dieses Konsumtempels auch noch 3 € Parkgebühren verlangt werden. Unverschämt!

Nachdem wir die Parklücke unserer Wahl gefunden hatten waren es nur wenige hundert Meter bis wir die (für so manch anderen) Hot Area betraten.

Wir waren da! Im Designer Outlet Roermond (NL)

Wie an einer Perlenschnur reihen sich die Geschäfte nahmhafter Hersteller nebeneinander. Nach einigen Metern der erste Oha-Moment. Für mich sieht es zunächst so aus, als hätte ich mich in einen Freizeitpark verlaufen und wäre an der Warteschlange für die angesagteste Achterbahn angekommen. In mit Metallpfosten und Hängeketten abgesperrten Schlangenlinien stehen geschätzt 50 Personen an, um im kapitalistischen Mekka, dem Shop für Gucci-Artikel, Einlass zu erbitten. Ich mustere einige der wartenden Kundinnen und mutmaße, dass ein Großteil der hier um Abstinenz flehenden, lediglich zum gucken (aber nicht anfassen) in den Shop möchte.

Etwas später stand ich mit meinem Sohn in einem der Geschäfte. Jeanshosen, Lederjacken und Polohemden zierten die Regale. Eine Jeans die ich optisch von anderen von der Stange erhältlichen Hosen nicht unterscheiden könnte, warb mit einem Preisschild, auf dem 70% Nachlass angepriesen wurde. Für 149 € ein echter Schnapper, schenkt man dem ursprünglichen Verkaufspreis von 499 € (für eine Jeanshose!) glauben.

„Sag mir mal was an dieser Hose 499€ wert sein soll?“ fragte ich meinen Sohn, als dieser mich zur Ruhe ermahnte. Wer sich kritisch über die Verkaufsware äußert riskiert den Rauswurf von dem an der Eingangstüre positionierten Security-Mitarbeiter.

Doch es geht auch noch krasser. Jacken für 5000€. T-Shirts für 800€. Sicherlich! Teurer geht immer. Doch dieses Outlet hat für mich etwas von der „Ausgeburt des kapitalistischen Wahnsinns“. Als ich mich nach einer Stunde von meinem Sohn verabschiede, der noch eine Zeit lang alleine durch die Hallen des Heiligen Konsumterrors schreiten möchte, entscheide ich mich doch noch dazu, etwas zu kaufen. In einem Laden einer mir bekannten Marke gibt es rutschfeste Stoppersocken für Erwachsene. Solche wollte ich schon immer haben. Und dank der hier angebotenen B-Wäre ließen sich tatsächlich noch ein paar Euro sparen. Zumindest hatte ich die Parkgebühren wieder raus und verließ um einige Erkenntnisse reicher das Outlet Center. Wohl dem Wissen, hier kein zweites Mal hinfahren zu müssen zu wollen.

2 Comments

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s